3 Fragen an...

Berlin ist Dauer-Hip – nur nie am gleichen Ort. Warum ist das so? 3 Fragen an Thomas Zabel

Berlin ist immer in. Aber das „Wo“ wechselt oft und schnell. Vor allem in Punkto Wohnen. Vor Jahren wollte jeder nach Pankow und Prenzlauer Berg. Doch sind die Latte-Macchiato-Mütter mittlerweile Normalität statt Trend. Und die Coolen der ersten Friedrichshainer Stunde im gesetzteren Alter angekommen. Längst werden andere Stadtteile als neue In-Viertel gehandelt, wie etwa Weissensee, Wedding oder Friedrichshains Nachbar Lichtenberg. Und auch Charlottenburg und mit ihr die City West stehen nach der „After-Schaufenster-des-Westens-Flaute“ wieder hoch im Kurs. Woher kommt diese Dynamik? Was ist der derzeit beste Stadtteil in Berlin? Und wohin sollten wir jetzt schon mal schielen? Thomas Zabel, Berlin-Experte und CEO der neuen JLL-Tochter Zabel Property GmbH, blickt tiefer. 3 Fragen – 3 Antworten:

Thomas Zabel, CEO Zabel Property GmbH

In keiner anderen deutschen Stadt hat man das Gefühl, dass sich das Image von und das Wohngefühl in Stadtteilen so schnell wandelt wie in Berlin. Warum ist das so?

Berlin ist die vielseitigste Stadt der Bundesrepublik. Seit Jahren gewinnt Berlin auch international an Bedeutung. Gründe dafür sind die vergleichsweise niedrigen Preise für Wohnungen, Freizeit-und Kulturangebote und die relativ stabile wirtschaftliche und politische Lage Deutschlands. Studenten, (Lebens)-Künstler und Freigeister aller Art halten Berlin in Bewegung und setzen neue Trends und Impulse. Projektentwickler reagieren auf die wachsende Nachfrage und investieren in den Bau von Wohnungen in ganz Berlin.

Dadurch verändert sich das Bild der Kieze. In Vierteln, in denen ein Neubau entsteht, entsteht gleichzeitig auch soziale Infrastruktur mit Einzelhandel, Gastronomie, Schulen und Kitas. Das steigert die Attraktivität und damit auch Beliebtheit bei „Neukiezlern“.

Pauschal kann man nicht den einen Stadtteil als den besten festlegen. In der Metropole gibt es für jeden Typ Mensch den passenden Kiez. Mein persönlicher Hotspot in Sachen Wohnen, Arbeit, Freizeit und Kultur ist Berlin-Mitte. Hier muss ich weder in der Freizeit noch für die Arbeit lange Strecken auf mich nehmen, denn die Quartiere Dorotheenstadt, Friedrichstadt und Rosenthaler Vorstadt bilden den wirtschaftlichen Kern Berlins. In den Vierteln um den Hackeschen Markt, die Torstraße und um den Rosenthaler Platz befinden sich hervorragende Restaurants und Bars. Gehobenes Ambiente gibt es südlich der Spree rund um den Gendarmenmarkt. Die prächtigen Regierungsgebäude, Museen und historischen Denkmäler sorgen für ein fast bürgerliches Ambiente und ziehen Besucher aus der ganzen Welt an.

Welcher Stadtteil ist gerade besonders „in“ oder wird es bald sein und was treibt den Wandel hier?

Bezirke wie Mitte, Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Charlottenburg bleiben weiterhin beliebt. Aufgrund von Freiräumen und günstigen Mieten werden aber auch Stadtteile aus dem Dornröschen-Schlaf geküsst, die bisher eher als sogenannte „Problemkieze“ galten. Zum Beipiel gewinnen Kieze im Wedding und in Moabit gerade zunehmend an Attraktivität. Seit Jahren wird dem Wedding nachgesagt, er sei im Kommen. Lange blieb das ein „Running Gag“, doch der Wedding ist da. Mittlerweile wird im Norden Berlins gut gewohnt, gefeiert und auch gegessen. Aus ehemaligen Fabriken, Gewerbehöfen und öffentlichen Gebäuden wie den Uferhallen und Uferstudios, den Gerichtshöfen, den Osram-Höfen und dem Ex-Rotaprint-Gelände sind Kreativlabors geworden. All das weckt nationales und vor allem auch internationales Interesse. Moabit gilt als echte Insel, umrahmt von Spree und Kanälen. Bislang war der Bezirk vor allem für seine hohe Kriminalitätsrate bekannt, doch mittlerweile wissen nicht nur Anwohner und Investoren, dass es sich westlich des Hauptbahnhofes auch ganz gut wohnen lässt. Es gibt Kultur, Bars und gutes Essen – und das ganz unaufgeregt, ohne Schnörkel oder überhöhte Preise. Wir vertreiben hier gerade 266 Mikroapartments in einem Wohnhochhaus im Quartier Mittenmang – einem neuen Quartier mit über 1.000 Miet- und Eigentumswohnungen. Mit der hervorragenden Anbindung durch den Berliner Hauptbahnhof und die zentrale Lage dürften sich hier insbesondere Geschäftsleute und andere Wochentags-Berliner wohl fühlen

Gleich gegenüber entsteht ein weiteres Quartier – die Europacity, ein hochwertiges Wohn- und Geschäftsviertel, mit 40 Hektar rund sieben Mal so groß wie der Potsdamer Platz.

Unabhängig vom Wo – wie wohnt der Berliner der Zukunft? Was ist der zukünftige Wohntrend in Berlin?

Die Haushaltsgröße in Berlin liegt bei über 54,5 % Prozent bei Einpersonenhaushalten, in Berlin-Mitte sogar bei 59,9 Prozent. Vor diesem Hintergrund werden besonders flächeneffiziente 1- und 2-Zimmer-Wohnungen in zentraler Lage nachgefragt.

Projektentwickler und Investoren machen sich die hohe Nachfrage der Berliner und internationalen Singles zunutze und investieren in den Bau von Mikroapartments. Die Apartments sind hochwertig ausgestattet, modern möbliert und bieten den Bewohnern zunehmend Amenities wie ein Concierge-Service oder ein Fitnessstudio im Haus. Überdies hat sich auch das Image des Hochhauses zum positiven gewandelt. Die Erfahrungen der Bürger mit den Hochhäusern der 1960er und 1970er Jahre, die oft mit schlechter Lebensqualität gleichgesetzt werden, verblassen. Einst aus der Not geboren, um Bevölkerungswachstum, Wohnungsknappheit und Flächenmangel zu begegnen, werden sie heute vielfach als Premiumdomizile für eine gehobene Klientel konzipiert.

Wohnturm High Park am Potsdamer Platz

Mikroapartment mit 30m² im The Fritz

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