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Elbphilharmonie & Co. – was Wahrzeichen für ihre Stadt bedeuten – 3 Fragen an Richard Winter

Lange ersehnt und viel kritisiert – doch nun steht und klingt sie und lässt einstmals spottende Münder staunend offenstehen: Die Hamburger Elbphilharmonie setzt neue Standards in Bautechnik, Akustik und Städtearchitektur. Schon jetzt haben wir vor allem sie vor Augen, wenn wir an Hamburg denken. Ob Philharmonie, Opera House oder Empire State Building – oft werden besondere Gebäude zum Synonym für die ganze Stadt. Und deren Attraktivität und Stärke misst sich in unseren Köpfen meist genau an den architektonischen Highlights. Wirklich nur in unseren Köpfen? Oder formen architektonische Wahrzeichen die Zukunft einer Stadt auch ganz real wesentlich mit? Richard Winter, JLL Regional Manager Hamburg, blickt tiefer. 3 Fragen – 3 Antworten:

Richard Winter, Regional Manager Hamburg

Richard Winter, Regional Manager Hamburg

Wird die Elbphilharmonie zum Image-Booster und bringt Hamburg noch mehr internationale Beachtung – auch hinsichtlich Wirtschaft und Immobilienmarkt?

Die Elbphilharmonie ist spätestens mit der Eröffnung zu einem Image-Booster geworden. Wenn man ihre Wirkung in Marketing-Budgets umrechnen würde, wäre es eine zweistellige Millionensumme. Bestes Beispiel: Die New York Times hat Hamburg in den Top-Ten-Sehnsuchtsorten 2017 gelistet und einen Besuch in der Speicherstadt empfohlen. Es hat im Vorfeld sicher viel Kritik gegeben, weil die Planung verändert werden musste – doch das ist nichts Ungewöhnliches. So ist die Oper in Sydney letztlich um das 14-fache teurer gewesen als geplant und wurde mit 10 Jahren Verspätung eröffnet. Zumal das Positive deutlich überwiegt: Die Elbphilharmonie wird Hamburg weltweit nochmals deutlich bekannter machen.

Ist repräsentative architektonische Besonderheit für Unternehmen oft ein Auswahlkriterium bei der Suche nach Büro und Firmensitz?

Repräsentative Architektur ist mittlerweile eher ein Reizwort. Ausdrucksstarke Architektur hingegen ist in jedem Fall ein Pfund, das man ausspielen sollte: Eigentümer, Unternehmer und Mitarbeiter identifizieren sich stärker mit dem Standort. Es gibt oft Kritik an zu viel Monotonie in deutschen Städten. Insofern ist die Elbphilharmonie ein gutes Gegenbeispiel dafür, dass ein großer Entwurf umgesetzt worden ist. Diesen Mut sollte man auch in die Büroarchitektur übertragen. Dort gibt es noch Luft nach oben.

Vor welche Herausforderungen stellen Mammutprojekte wie die Elbphilharmonie eine Stadt und ihre Städteplanung?

Die Herausforderung liegt in der Besonderheit, denn derartige Bauten sind in der klassischen Stadtgestaltung gar nicht vorgesehen. Hamburg hat mit der Sprinkenhof-Gesellschaft eine hohe Bau- und Immobilienkompetenz. Warum dennoch eine Realisierungsgesellschaft gegründet wurde, ist heute nicht nachzuvollziehen, da einige Fehler gemacht wurden. Aber Hamburg hat daraus gelernt und man muss auch sehen, dass die Stadt jährlich bei zahlreichen Projekten effizient und termingerecht baut.

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