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Leipzigs Logistik braucht mehr Fläche – wie schafft man die? 3 Fragen an Daniel Sehnert

Der Großraum Leipzig hat sich längst unter den Top-Logistikstandorten in Deutschland etabliert. Kein Wunder, denn von den Warenlagern zwischen Halle, Bitterfeld und Leipzig können mehr als 15 Millionen Verbraucher innerhalb von zweieinhalb Stunden – mit dem LKW – erreicht werden. Ganz Mitteleuropa übrigens innerhalb von einer Nacht. Der Flughafen mit seinem 24h-DHL-Expressdienst ist inzwischen zum zweitgrößten deutschen Luftfrachtdrehkreuz geworden, eines der modernsten Güterzugnetze und Verladezentren entsteht gerade. Porsche und BMW produzieren hier mit ihren modernsten Fertigungswerken. Drei Viertel aller Porsche-Karosserien laufen hier jährlich vom Band.
Beste Voraussetzungen also. Einzig – es mangelt an Fläche. Vor allem direkt am und im städtischen Leipziger Raum. Woran liegt das? Wohin weichen Entwickler und Nutzer derzeit aus? Und was können Akteure und Politik in der Region tun, um neue Flächen und damit weitere Wachstumsmöglichkeiten zu schaffen? Daniel Sehnert, Team Leader Industrial Agency Leipzig, blickt tiefer in die Region. 3 Fragen – 3 Antworten:

Logistikregion Leipzig Daniel Sehnert

Daniel Sehnert, Team Leader Industrial Agency Leipzig

1. Die Logistikregion Leipzig-Halle ist als Drehkreuz attraktiv. Wo sind aktuell die meisten und größten Neuansiedlungen zu beobachten?

Die Nachfrage ist vor allem für autobahnnahe Standorte am höchsten – also entlang der A9 oder A14 oder im gut angebundenen Umfeld des Flughafens. Bestes Beispiel ist aktuell der StarPark in Halle an der Saale. Der liegt zwar auf sachsen-anhaltinischen Hoheitsgebiet, aber funktional wächst der Logistikmarkt Halle mit Leipzig immer mehr zusammen. Im StarPark gibt es derzeit eine sehr konkrete Neubau-Überlegung des namhaften Entwicklers VGP, der hier in den letzten Jahren so genanntes land banking betrieben hat und bei entsprechender Vorvermietung anfangen könnte zu bauen. Der von VGP geplante Logistik-Park Wegastraße beispielsweise wird in der Endausbaustufe rund 60.000 Quadratmeter Hallenfläche bieten. SEGRO hat sich ein Grundstück zur Entwicklung eines Logistikparks westlich von Leipzig in Großkugel mit direkter Zufahrt gesichert. Zudem erfährt auch die Region Bitterfeld-Wolfen derzeit eine erhöhte Nachfrage.

Hoch ist die Nachfrage aufgrund der eingangs erwähnten Faktoren auch in der Leipziger Kernregion. Allerdings fehlt es hier, wie gesagt, am Angebot – vor allem bei großen Flächen ab 20.000 Quadratmetern oder einer Grundstücksfläche ab 50.000 Quadratmetern.

2. Woran liegt es, dass in Leipzig stadtnah so ein großer Mangel herrscht?

In Leipzig und seinem näheren Umfeld gab es in den letzten Jahren kaum spekulative Neubautätigkeit im Bereich der Logistik. Das liegt zum einen daran, dass Neubauten in der Regel mit Vorvermietung oder Eigennutzgedanken entstanden sind, zum anderen an dem über Jahre im Bundesvergleich sehr niedrigen Mietpreisniveau. Was die Kalkulation für Entwickler nicht unbedingt leichter macht. Allerdings schaffen aktuell vor allem der immer weitergehende Ausbau des Flughafens zu einem Frachtdrehkreuz und die geplante, hochmoderne Verladestation für den Schienenverkehr gerade für die Zukunft einen enormen Anreiz für Unternehmen, die nicht nur nach West- sondern auch stark nach Osteuropa orientiert sind. Und damit auch für weitere Logistikansiedlung im direkten Leipziger Umfeld.

Beispiel für eine aktuelle Projektentwicklung ist VGP, der an der Messe Leipzig in zwei Bauabschnitten einen spekulativen Neubau errichtet bzw. errichtet hat. Bauabschnitt 1 ist bereits an den Schweizer Möbelproduzenten USM Haller vermietet. Bauabschnitt 2 ab 2018 für Nutzer verfügbar. Realität wird auch ein Neubau der Firma Kleusberg nahe des Schkeuditzer Kreuzes. Auf 20 Hektar entstehen momentan eine mehr als 13.000 Quadratmeter große Produktionshalle und 60.000 Quadratmeter befestigte Freiflächen.

Tendenziell ist zu erwarten, dass die verstärkten Neuplanungen in 2018 auch baulichen Ausdruck finden werden und den Mangel auf Angebotsseite etwas mildern. Wenn auch nicht beseitigen.

3. Wie kann dem Angebotsmangel im unmittelbaren Leipziger Umfeld zumindest teilweise entgegengewirkt werden?

Generell müssen natürlich entsprechende Anreize geschaffen werden. Zum Beispiel durch Vergünstigungen oder beschleunigte Genehmigungsverfahren. Auch der vereinfachte Zugang zu spezialisierten Baudienstleistern in der Region könnte in Zeiten des Immobilienbooms Zünglein an der Waage sein, wenn es darum geht, sich für einen Standort zu entscheiden.

Die große Aufgabe in den nächsten Jahren wird es sein, kurzfristig verfügbare Flächenreserven für Entwickler-Interessenten auszuheben und bereit zu halten. Die Baurechtsbeschaffung und Erschließung von Gewerbearealen muss von allen Beteiligten in der Region mit Hochdruck vorangetrieben werden – nicht nur die Genehmigung, sondern vor allem auch die anschließende Ausführung. Hierbei sollte man durchaus auch ländlich gelegenere Flächenreserven in Betracht ziehen und diese über eine bessere und vor allem schnellere Infrastruktur-Anbindung für die Nachfrager attraktiver machen.

Letztlich liegt es auch an der Einstellung. Logistische Ansiedlungen müssen von der verantwortlichen Politik auch gewollt und werden. Gegenteiligen Stimmen, die ihre Argumente aus Bereichen wie Flächenverbrauch, der Förderung des Niedriglohnsektors und dem erhöhten Verkehrsaufkommen ziehen, kann entsprechend begegnet werden mit dem Schneeballeffekt, den eine lebendige Logistikregion auslösen kann. Gute Auslieferungs-Bedingungen ziehen produzierendes Gewerbe genauso an wie Unternehmen der Zukunftsbrachen.


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