Allgemein | Corporate Real Estate | Office | Research | Workplace Strategy

Expo Real 2015: Big Data in der Immobilienwirtschaft

Für die meisten Unternehmen sind Immobilien einer der drei größten Kostenfaktoren. Dennoch können selbst einfache Fragestellungen häufig kaum beantwortet werden. Beispiele: Welcher Prozentsatz der Mitarbeiter arbeitet überwiegend außerhalb des Büros? Welcher Anteil der Immobilien hat Restlaufzeiten von weniger als einem Jahr? Wie hoch ist der Aufwand für den Büroraum je Mitarbeiter? Mehr als wenige Clicks darf die Beantwortung derartiger Fragen heute nicht mehr dauern. Big Data wird auch für die Immobilienberatungsszene zum entscheidenden Erfolgskriterium. Die Fähigkeit, große Datenmengen in Echtzeit zu analysieren, zu verdichten und für den Kunden bereitzustellen, wird ein Wettbewerbsfaktor der nächsten Jahre. Sie ist eine entscheidende Stellschraube für die Servicequalität. Die klassischen Anbieter müssen jetzt investieren, um mögliche Geschäftsmodelle branchenfremder Anbieter von vornherein einzuschränken.

Die Herausforderungen hierfür sind sowohl konzeptionell als auch finanziell anspruchsvoll. Der ausschließliche Blick auf Mieten, Renditen und Restlaufzeiten greift zu kurz. Immobilien sind immer in einem Kontext zu sehen. Dabei sind etwa folgende Fragen von Relevanz: wie groß ist das verfügbare und passende Arbeitskräfteangebot bei der Wahl eines Bürostandorts? Welche politischen, rechtlichen, sozio-ökonomischen und klimatischen Rahmenbedingungen sind zu beachten? Fragen dieser Art lassen sich nicht mit Excel-Tabellen lösen. Stattdessen gilt es, jederzeit auf konsistente und gut gepflegte Daten zugreifen und diese in beliebigen Konstellationen auswerten zu können.

Schon die Datenerfassung gestaltet sich allerdings schwierig. Ist sie doch von der Zustimmung der Kunden abhängig, Einblicke in ihre individuellen und erfolgsentscheidenden Daten zu geben. Der Datenschutz ist damit ein ganz wesentlicher Aspekt. Nur durch die anonyme Offenlegung der Daten lassen sich aber Bench Marks für Branchen, Länder und geographische Weltregionen ermitteln, die als Orientierung dienen können. Liegt ein aussagekräftiger Datenbestand vor, resultiert daraus die Frage nach dessen zielgerichteter Aufbereitung. Hier haben professionelle Dienstleister bessere Voraussetzungen als branchenfremde Anbieter, die richtigen und entscheidungsrelevanten Schwerpunkte zu setzen. Dabei geht es derzeit noch nicht einmal um komplexe Algorithmen. Vielmehr verfügen selbst große börsennotierte Unternehmen bis heute in der Mehrzahl nicht über ausreichende Reporting-Strukturen, die den heutigen Möglichkeiten gerecht werden.

Ausgereifte Data-Management-Strategien sind in der Branche nach wie vor selten. Dies hängt auch damit zusammen, dass für Big Data hohe IT-Investitionen und personelle Ressourcen unabdingbar sind. Wie im Immobilienresearch überhaupt gilt es, die bisher ausschließlich retrospektive Betrachtung um datenbasierte und zukunftsgerichtete Entscheidungshilfen zu ergänzen. JLL engagiert sich mit weltweiten Immobilien-Datenbanken und hauseigenen Immobilienplattformen in diesem Bereich. Seit mehreren Jahren betreiben wir erheblichen Aufwand, um unseren riesigen Bestand an Objektdaten in Deutschland besser analysieren zu können. Letztlich muss sich auch die Immobilienbranche im Rahmen des Datenschutzes für mehr Messbarkeit öffnen. Alleine aus dem Bauchgefühl heraus lassen sich Arbeitsabläufe, Energieverbräuche, Produktivität und nicht zuletzt auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter nicht verbessern.

Ähnliche Artikel

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.