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Nomen est omen – „Landmarks“ am Hamburger Baakenhafen

Der am Petersen-Kai errichtete View Point in unmittelbarer Nähe der Baakenhafen-Brücke bietet einen spektakulären Blick auf die Wasserfront der Hafen City – nach Westen bis zur Elbphilharmonie und nach Osten weit über die Elbbrücken und das Hafen City-Areal hinaus. Vor allem aber erlaubt er nicht zuletzt einen tiefen Blick auf die Besonderheit der menschlichen Spezies, die sich als homo faber mit der Umgestaltung ihrer Umwelt an Deutschlands selbst ernanntem „Tor zur Welt“ in einzigartiger Weise neue Wirklichkeiten schafft.

Im Olymp der Weltstädte

Wer die Entwicklung der Hafen City, dieser nach wie vor größten Baustelle Europas, seit ihren Anfängen 2001 verfolgt hat, bewundert ein epochales Amalgam aus bereits Realität gewordenen und noch in der Verwirklichung sich befindenden Träumen, schöpferischer Fantasie, gestalterischer Kreativität und investivem Wagemut – fraglos in summa zu sich selbst gekommen in der grandiosen Elbphilharmonie, die Hamburg dank ihrer solitären Architektur und der exzeptionellen Lage in den Olymp der Weltstädte erhebt, in ihrem so und nicht anders Gewordensein eine vollkommene Apotheose der Raum- und Klangkultur bildend und in ihrer außeralltäglichen Strahlkraft nicht zuletzt die gesamte Hafencity und deren bereits vollendete oder sich im Werden befindende Gebäude miteinbeziehend. Hamburg, diese an Superlativen überreiche Stadt, hat sich mit der Elbphilharmonie selbst gekrönt und gönnt ihren Bewohnern und Besuchern eine „Krönungsmesse“ in Permanenz, sei es durch den bloßen Anblick des erhabenen, jederzeit im eigenen Glanz erstrahlenden Baukörpers oder sei es durch das Privileg, bei einem Konzertbesuch der zu Recht vielgerühmten Akustik teilhaftig werden zu können.

Schaffung einer neuen Welt

Die Elbphilharmonie ist eine global sichtbare Baake in der Welt der Architektur, ein Wahrzeichen aus einer fast schon anderen Welt, von deren Anblick der Besucher des View Point auch aus der Ferne genauso fasziniert ist, wie von der Schaffung einer neuen Welt an den direkt gegenüberliegenden Buenos Aires- und Versmann-Kais – zum Beispiel mit dem bisher als „Intelligent Quarters“ bekannten Ensemble, zwei in jeder Hinsicht herausragenden Landmark-Buildings, Eingangstore quasi zum östlich gelegenen Baakenhafen-Areal, in dem, nomen est omen, „Baaken“, Landmarks eben, um den heute gebräuchlichen Begriff zu verwenden, ihren Hafen gefunden haben.

Im Schulterschluss mit den Intelligent Quarters: die Hafencity-Uni. Akademische Intelligenz und deren Förderung in einer Hochschule wird in einem Projekt städtebaulicher Nachbarschaft in den „Intelligent Quarters“ verbunden mit intelligenter Architektur, die sich in einer global verständlichen Sprache auszudrücken vermag – bis hin zur stilbildenden Markenqualität der Wortwahl, dem „Watermark“, einem Büroturm von 70 Meter Höhe, und dem „Shipyard“, einem siebengeschossigen Bürogebäude, dessen Plaza die Großzügigkeit der gesamten Planung betont. Eingangs des Hamburger Baakenhafens wird die Weltsprache der Architektur gesprochen. Und „Brands“ sind deren selbstverständliche Vokabeln.

„Shipyard“ und „Watermark“ überzeugen denn auch formal durch ihr branding und substantiell durch ihre städtebauliche Gesamtkonzeption und ihre Orientierung zum Wasser mit eigener Anlegestelle und imposanter Freitreppe. Ihre kommunikative Ästhetik spiegelt sich besonders im Design der weißen Landmark-Gebäude wider, deren gestalterische Einheit nicht zuletzt beim Blick von Norden deutlich wird, der „Watermark“ quasi „natürlich“ durch eine reizvolle perspektivische Verdichtung aus dem „Shipyard“ herauswachsen lässt.

„Weltbaake“ der besonderen Art

Das mehrfach ausgezeichnete Hamburger Architekturbüro Störmer, Murphy & Partners hat Watermark und Shipyard zu einem harmonischen Ensemble überzeugender Eleganz komponiert – gemeinsam mit der Hafen City-Uni das Entrée bildend für die Entwicklung des ostwärts bis zu den Elbbrücken reichenden Areals, das unter Einbezug und Erweiterung des Lohse-Parks und dem Anspruch sozial vielschichtiger Inklusion zu einer neuen Weltbaake der besonderen Art reifen könnte, einem echten „Lifeship-Projekt“ urbaner Moderne, Leben, Arbeiten, Freizeit und Kultur in besonderer Art zu einer neuen Entität großstädtischen Miteinanders verbindend.

Magical mystery tour

Schon heute auf jeden Fall hat das Hamburger Mega-Projekt „Hafen City“ durch Shipyard und Watermark zwei weitere architektonische Highlights, das die in Panoramablicken erfahrenen Architekten mit einer Dachterrasse auf dem Watermark-Gebäude in eine neue Dimension des Schauens überführen. Bereits beim Komplett-Umbau des Hotels Intercontinental an der Außenalster zum „Grand Hotel The Fontenay“ haben Störmer, Murphy & Partners aus dem früheren Restaurant „Windows“ ein architektonisches Zauberwerk der besonderen Art geschaffen. Vergleichbar und doch ganz anders wird sich die Dachterrasse auf dem Watermark präsentieren. Besucher und Nutzer werden es den Architekten zu danken wissen. Denn das Panorama-Gemälde, das der Rundumblick im siebzehnten Stock den Augen immer wieder aufs Neue malt, ist gleichbedeutend einer magical mystery tour durch die Urbanitätsepochen einer Weltstadt – museal und vital in einem.

Wie heißt es in der „Hymne für die Hansestadt“ aus dem Jahr 1828 (!)? „Stadt Hamburg in der Elbe Auen, wie bist Du stattlich anzuschauen!“ 190 Jahre später gibt es dieser Eloge nichts hinzuzufügen.

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2 Antworten auf “Nomen est omen – „Landmarks“ am Hamburger Baakenhafen

    Peter Eder sagt:

    Diesen Artikel habe ich mit Freude gelesen. Die städtebauliche Sichtweise und die Sprache, die über die „klassischen Immobilien-Beschreibungen“ von Stadt und Objekt weit hinausgeht, ist wohltuend.

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