Energy & Sustainability

Nur mit breiter Infrastruktur kann Elektromobilität zum Erfolg werden

Auf dem Weg zur CO2-reduzierten Wirtschaft sind Elektrofahrzeuge einer der Kernfaktoren. Doch dem Willen der Politik, die einst bis 2020 ein Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen formulierte, folgt die Verbrauchernachfrage bisher höchst verhalten. Das liegt zum Teil an der fehlenden Ladeinfrastruktur – und dem damit verbundenen Zweifel an Reichweite und Praktikabilität dieser Fahrzeuge.

Mitte 2018 ist die Zahl der öffentlichen Ladestationen laut Interessenverband BDEW auf 13.500 gestiegen, dennoch weist die Vereinigung darauf hin, dass noch einiges mehr getan werden müsse, um Investitionen in private Ladestationen zu fördern. Deren Bereitstellung in älteren Gebäuden, die häufig über keine Garage verfügen, gestaltet sich allerdings als schwierig. Bei Neubauprojekten, zum Beispiel dem Immobilienprojekt Luisenpark von Instone Real Estate in Berlin Mitte, fällt die Bereitstellung untergeschossige Park- und Ladeplätze weitaus leichter. Die Stellplätze im Luisenpark werden an die zukünftigen Bewohner verkauft. Mit der Fertigstellung des Bauprojekts wird in etwa zwei Jahren gerechnet.

Die Grenzen des Machbaren

Während ein Anteil von 5 bis 10 Prozent der Parkplätze in einem Neubauprojekt eine realistische Größenordnung darstelle, seien größere Implementierungen komplex, erklärt Thomas Zabel, Head of Residential Development Germany bei JLL: „Bei Neubauten sind die Kapazitäten im Bereich der Stromverfügbarkeit begrenzt.“ Eine höhere Anzahl Ladestationen sei angesichts der rein physikalischen Grenzen eine Herausforderung für Immobilienentwickler, ebenso wie die zusätzlichen Kosten.

Thomas Zabel, Head of Residential Development Germany bei JLL
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Bisher besteht für Wohnungsbauer in Deutschland kein Zwang, Ladestationen vorzusehen. Aber die Landesregierungen könnten eines Tages Quotenregelungen beschließen, wie es sie zum Beispiel für den sozialen Wohnungsbau gibt. „Wie schnell es dazu kommen wird, hängt stark von der jeweiligen Stadt ab – abhängig von den Prioritäten der Landesregierungen“, erklärt Dr. Konstantin Kortmann, Head of Residential Investment Germany bei JLL.

In Berlin beispielsweise könnte derzeit der Schuh eher bei der Frage nach bezahlbarem Wohnraum drücken und weniger bei den Umweltthemen. Für Stuttgart und Baden-Württemberg – mit Bürgermeister Fritz Kuhn und Ministerpräsident Winfried Kretschmann beide unter grüner Ägide – trifft möglicherweise das Gegenteil zu. In dieser Region, immerhin die Heimat von Daimler und Porsche, steht zu erwarten, dass der Kampf um die Nutzung von Elektroautos sehr intensiv geführt wird.

Car-Sharing erleichtert den Einstieg

In Berlin geht die Nutzung von Elektrofahrzeugen mit einer weiteren potenziell umweltschonenden Strategie einher, dem Car-Sharing. Volkswagen plant, bis 2019 immerhin 1.500 vollelektrische Fahrzeuge auf Berlins Straßen zu bringen. Unter der Marke „We Share“ soll eine Flotte akkubetriebener e-Golf-Modelle starten. Und die diesjährige Fusion der beiden größten Car-Sharing-Anbieter der Stadt, Car2Go und DriveNow, hat dazu geführt, dass die jeweiligen Eigner Daimler und BMW nun ebenfalls verstärkt in diesem Sektor präsent sind.

„Car-Sharing-Programme sind die perfekte Methode, um der Öffentlichkeit eine verstärkte Nutzung von Elektrofahrzeugen näherzubringen“, erklärt Kortmann. „Sie eignen sich nicht nur dazu, umweltschädliche Emissionen zu reduzieren, sondern, sondern vermitteln Nutzern auch das Gefühl für eine Art Fahrzeug, das sie zuvor noch nie gefahren haben.“

Dr. Konstantin Kortmann, Head of Residential Investment Germany bei JLL
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Elektroscooter, inzwischen in verschiedenen deutschen Städten dank konkurrierender Anbieter wie Coup und Emmy im Stadtbild präsent, sind ein weiterer Einstieg in die E-Technologie. Bei diesen Zweirädern ist die Energieversorgung weniger problematisch: Sie lassen sich häufig an Standard-Steckdosen aufladen. „Dies lässt sich von Immobilienentwicklern viel einfacher in die Planung integrieren, so Kortmann. Ein offenkundiger Unterschied, bedenkt man die Dimensionierung der Roller im Vergleich zu Pkw.

Bisher verwoben mit dem urbanen Lebensstil

Dennoch, auf eine steigende Nachfrage folgt ein wachsender Bedarf an Ladestationen. Supermärkte sind bei dieser Entwicklung ganz vorne mit dabei. Die Kaufland-Kette zum Beispiel strebt bereits im kommenden Jahr für ihre Parkplätze 100 kostenlose Schnellladestationen an. Damit folgen die Neckarsulmer dem Vorbild anderer großer Ketten in Deutschland, zum Beispiel Lidl.
Um Elektromobilität aber wirklich attraktiv zu machen, bedarf es einer entsprechenden Infrastruktur auch außerhalb der städtischen Zentren – wie es zum Beispiel der Innovationspark Zusmarshausen vormacht. Kortmann kennt die Problematik. Elektromobilität sei derzeit eng mit dem Trend des innerstädtischen Wohnens verwoben. Dies ließe sich ändern, gäbe es flächendeckend in ganz Deutschland gut zugängliche Ladestationen.

Die Normung der Ladesysteme ist ebenfalls ein Thema: Es gibt mehr als nur ein Kabel am Markt und häufig bereitet es Nutzern Mühe, die richtige Stromquelle zu finden. Das trägt seinen Teil dazu bei, dass aus der Elektromobilität noch kein Massenphänomen geworden ist – trotz der Anstrengungen, wie sie zum Beispiel die Stadt Berlin verfolgt. Drängend ist die Entwicklung allemal, wie die Dieselverbotswelle in deutschen Großstädten deutlich macht. Und Großunternehmen wie die Deutsche Post, in Partnerschaft mit dem Aachener Hersteller Streetscooters, machen es ebenfalls vor. Die Reise geht eindeutig in Richtung emissionsärmerer Verkehrsmittel, prophezeit auch Kortmann: Japan zum Beispiel setze in diesem Bereich eher auf das Wasserstofffahrzeug. In Deutschland hingegen werde das Elektromobil das Rennen machen.


Dieser Beitrag wurde zuerst auf dem JLL Blog RealViews veröffentlicht.

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