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Sind wir Nostalgiker? Eine Rückbesinnung auf innerstädtisches Einkaufsflair

Das Schreckgespenst Langeweile im Einzelhandel und was auf den Einzelhandel zukommt bzw. wie diesem Schreckgespenst begegnet werden kann, war Thema meines letzten Blogs. War‘s das  schon? Ist das Thema damit abgehakt? Nein. Das Thema greift tiefer. Denn der digitale Sprung im E-Commerce ist fundamental und unumkehrbar. Die Konsequenzen sind viel dimensional.

Anders gefragt: Ist die Shopping Welt des Online-Zeitalters aus sich heraus so erfolgreich oder ist die Offline Welt nicht auch unfreiwillig Motor dieser Entwicklung?

Schauen wir doch auf die städtische Realität unserer Tage. Rühmen wir uns noch immer unserer urbanen, tollen Innenstädte und eines vielfältigen Einzelhandels integriert ins Stadtleben? Gehört Bummeln in der Stadt, seit Generationen Teil des bürgerlichen Soziallebens, noch immer in den Katalog unserer gängigen Gepflogenheiten?

Die Fragen rühren zweifellos an unserem bisherigen Verständnis städtischen Lebens. Und wie alles ist auch dieses städtische Leben den unabdingbaren Gesetzmäßigkeiten des Wandels unterworfen.  Gelten denn die gängigen Gepflogenheiten von gestern auch heute noch? Mehr noch: wird die nächste Generation auch weiterhin kultiviertes Flanieren beim Einkauf pflegen? Besitzen Innenstädte noch immer den attraktiven Charme und die traditionelle Funktion früherer Zeiten?

Wer kennt sie nicht auch übers Land verteilt – einst florierende Einkaufsstrassen durchsiebt mit Billigläden, die wie eine Notlösung aussehen: quasi der letzte Versuch vor dem Leerstand. Tristesse in Reinkultur. Parallel dazu  vor den Toren der Stadt, seit langem aber auch in der Stadt, künstliche Abbildungen innerstädtischer Strukturen in Form von Shopping Centern. Modern, überdacht, alles perfekt, erfolgreich, kalkulierbar. Aber auch die befinden sich  zunehmend in der Langeweile-Falle. Die Frequenzen gehen auch dort tendenziell zurück. Aber wohin wandern die Passanten ab? Ins Internet? Werden die Passanten zu Online-Shoppern? Gibt es durch Übersättigung eine neue Konsumverweigerung? Oder tut doch die oft zitierte Rückbesinnung auf das nicht immer ganz so perfekte, aber authentische innerstädtische Einkaufsflair Not? Sind wir etwa  Nostalgiker? Ja, gewiss!

Wer erinnert sich nach seiner letzten Tour nach Rom oder Paris  an ein Shopping Center?  Mal Hand aufs Herz.  Eher doch wohl an das vitale, von Eindrücken überschäumende Stadtleben, an die einladenden Geschäfte, das Urbane, die Architektur, das pulsierende Stadtleben, das Flanieren Im Viertel unterhalb der Spanischen Treppe, das Sehen und das Gesehenwerden. Die Stadt als Erlebnis der Sinne.

Deshalb sind die Verantwortlichen in den Kommunen gefordert. Achtet wieder mehr auf Qualität und Lebensgefühl, plant neue Projekte sorgsam. Macht Eure Straßen und Plätze zu Orten des Wohlfühlens und der Begegnung. Von Menschen für Menschen. Schafft Räume für sinnliche Wahrnehmung. Denn wie im Store führt Gleichförmigkeit und  Standardisiertes auch in den Innenstädten zu Langeweile und zum Rückzug des Konsumenten. Nicht nur in die digitale Welt.

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3 Antworten auf “Sind wir Nostalgiker? Eine Rückbesinnung auf innerstädtisches Einkaufsflair

    Thomas Mauritz sagt:

    Hallo Andreas,

    ich teile deine Anregungen weitestgehend – allerdings hast du die Quintessenz im Kern unterschlagen / ausgelassen…wahrscheinlich um uns in eigene Gedanken zu Leiten.

    Meines Erachtens ist der Widerstand im stationären Handel im Geiste nicht vollzogen und somit herrscht eine grundsätzliche Stagnation bezüglich dem Mut des Handelns! Dies leider an allen Fronten – Investoren, Eigentümern und Nutzern zu bemängeln => dies führt zu Irritationen im Kundenverhalten, da Menschen bequem und faul (!) sind. Insofern muss in erster Linie eine gewisse Euphorie geschaffen werden, sich dem Erlebnis des Shoppen zu widmen und dies ist nur möglich, wenn der Handel auf die Bequemlichkeit (des Verhaltens in gesonderter Betrachtung) der Menschheit entschieden reagiert. Diesen Raum der unbändigen Freiheit ist elementar Verankert in unserm Handeln und muss eine Reflektion auf Parkmöglichkeiten, Serviceangebote, Warenpräsentationen / Shopkonzepte und unproblematische Umtauschprozedere u.ä. haben. Erst dann gehe ich auch bei Sauwetter in die Stadt und lasse mich von der unglaublich großen Angebotspalette wieder verzaubern…

    In dem Sinne, eine besinnliche Zeit 🙂

    i.A. Thomas Mauritz
    Associate Director
    Central Retail Services

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    Hallo Thomas,

    das hast Du richtig gedeutet, das Thema ist so komplex, dass man hier nur Denkanstöße geben kann. Alleine Deine Anmerkungen beinhalten schon viele Ansätze, über die wir ausgiebig diskutieren könnten. Wir alle erleben ja den Wandel bzw. sind selbst Protagonisten/Konsumenten. Eines kann man jedoch mit Gewissheit anmerken: Wer den Wandel nicht mitgeht – ob nun im Handel oder auf der Immobilienseite – und sich nicht seinen angemessenen Platz erarbeitet, wird in einigen Jahren nicht mehr dazugehören oder unter den Folgen leiden.

    Mathias Hahn sagt:

    Hallo Andreas!

    Genialer Beitrag und wohltuend frei von monströsen Zahlenwerken! Einfach aus dem Bauch geschrieben und getroffen! Mögen die Konsumenten dieser Welt verhindern, dass unsere Innenstädte zur verlängerten Kleiderstange oder Werkbank des Internets und seinem online-Handel verkommen…… – Urbanität versus Anonymität, it’s on us.

    Gruß,
    Mathias.

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